Energieausweis (Energiepass)

 

Die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden, die sog. EU-Gebäuderichtlinie, verpflichtet alle Mitgliedsstaaten der EU den Energieausweis für Gebäude einzuführen. In Deutschland wurde hierzu das Energieeinspargesetz (EnEG) geändert um den Weg für die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) 2007 frei zu machen.

Betroffen sind davon vor allem die Eigentümer deren Häuser zum sogenannten Bestand zählen, d. h. vor 1995 gebaut wurden und in der Regel keinen Energiebedarfsausweis haben. Was für den Neubau schon lange gilt, wird nach einer Übergangsfrist ab 2008 / 09 auch für den Bestand zur Pflicht: Bei Eigentümer- oder Mieterwechsel muss auf Verlangen ein Energieausweis vorgelegt werden.


Was ist der Energieausweis? Ein weiter Teil der Bevölkerung verbindet mit diesem Begriff keinerlei Vorstellung und das soll sich nun nach den Wünschen der Bundesregierung und der dena (Deutsche Energie-Agentur) ändern. Genauso wie der Kraftstoffverbrauch eines Autos oder die Leistungsaufnahme von Haushaltsgeräten eine nachvollziehbare, oft kaufentscheidende Größe ist, soll der Energieverbrauch von Gebäuden ins Bewusstsein der Eigentümer und Mieter gerückt werden. Der Energieausweis ist also eine Art Gütesiegel, das die energetische Qualität eines Hauses beschreibt. Dem bedarfsorientierten Ausweis liegen in ganz Deutschland die gleichen Randbedingungen zugrunde. Dadurch ist der Energiebedarf vergleichbar, egal ob ein Gebäude z. B. in München und das andere in Hamburg steht.


Was genau steht im Energiepass? Die wichtigste Kenngröße ist der Primärenergiebedarf, also die Energiemenge, die zur Beheizung und Trinkwassererwärmung notwendig ist, einschließlich vorgelagerter Prozesse, wie Rohstoffgewinnung, -umwandlung und Transport.

Bisheriger Energiepass Zukünftiger Energieausweis für Wohngebäude Zukünftiger Energieausweis für Nichtwohngebäude

Der Energieausweis informiert auch über die Qualität der Gebäudehülle. Diese besteht aus sämtlichen Bauteilen, die den beheizten Raum umschließen, wie Dach, Außenwände, Fenster, Kellerwände, usw. Aber auch Wärmebrücken und Luftdichtheit spielen hier eine Rolle. Die Verluste über die Gebäudehülle werden im Energieweis grafisch und numerisch ausgewiesen.

Die Anlagentechnik bildet einen weiteren Schwerpunkt. Entsprechend der DIN V 4701–10 bzw. –12 wird die Anlagenaufwandszahl ermittelt. Hierbei wird das Zusammenspiel sämtlicher Komponenten berücksichtigt, wie Wärmeerzeuger, Speicher, Rohrleitungen, Thermostate, usw. Besonders günstig auf die Anlagenaufwandszahl wirkt sich der Einsatz regenerativer Energien aus, etwa Solarthermie oder eine Pellets-Heizung. Bei den Nichtwohngebäuden werden darüber hinaus noch Klimaanlagen, Beleuchtung, usw. berücksichtigt (DIN V 18599).

Außerdem gibt der Energieausweis Auskunft über die Umweltbelastung durch klimawirksame Gase die beispielsweise bei der Verbrennung fossiler Energien zur Beheizung und Warmwasserbereitung freigesetzt werden. Es handelt sich hier um Gase wie Kohlendioxid, Methan, Stickoxid, usw., die sich in der Atmosphäre anreichern und das Klima nachhaltig verändern können. Im Energieausweis werden auch die Emissionen aus der vorgelagerten Prozesskette berücksichtigt und die Summe in CO2-Äquivalent ausgewiesen. Damit kann jeder Hausbesitzer einschätzen, wie „umweltverträglich“ sein Haus ist. Dies wird besonders im Hinblick auf anstehende Sanierungsmaßnahmen interessant. So kann ein sanierungsbedürftiges Einfamilienhaus aus den 50er Jahren, mit veralteter Heizung, durchaus jährlich 10 t CO2 emittieren, während das gleiche Gebäude nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen und Einbau einer modernen Heizungsanlage nur noch etwa 3,5 t CO2 ausstößt.

Für den Endenergiebedarf dürfte sich der Hausbesitzer besonders interessieren. Hieraus kann er unmittelbar die Energiekosten für das Gebäude ermitteln. Allerdings handelt es sich dabei um einen theoretischen, unter Standardbedingungen errechneten Wert. Der tatsächliche Verbrauch ist abhängig von klimatischen Einflüssen und den individuellen Gewohnheiten der Bewohner.

Zu guter Letzt, enthält der Energieausweis Modernisierungstipps. Hier soll aufgezeigt werden, wie durch Sanierung des Gebäudes oder Modernisierung der Heizungsanlage Energie gespart und die Umwelt geschont werden kann. Die Tipps sind in zwei Bereiche gegliedert: Einen ersten Bereich mit relativ einfachen und kurzfristig zu realisierenden Maßnahmen, sowie einen weiteren Vorschlag, mit umfangreicheren Maßnahmen.


Welche Konsequenzen hat es, wenn mein Haus „schlechte“ Werte erreicht? Die Aussagen des Energieausweises sind informativ und haben keine Rechtswirkung, d. h. es lassen sich daraus keine Forderungen an den Eigentümer begründen. Somit kann kein Hausbesitzer „gezwungen“ werden, sein Haus zu modernisieren. Davon nicht betroffen sind natürlich die Anforderungen der EnEV, die schon lange bekannt sind, wie etwa der Austausch bestimmter Heizkessel (bis Ende 2006).


Werden Energieausweise jetzt schon ausgestellt? Die Energieausweise (Energiepässe) werden bereits seit 2005 für Bestandsgebäude ausgestellt und sind meist die Voraussetzung, um öffentliche Fördergelder zur Gebäudesanierung zu erlangen.


Wo bekommt man den Energieausweis? Der Begriff Energieausweis sollte nicht zu der falschen Annahme führen, dass hierfür etwa eine Behörde zuständig wäre. Der Hausbesitzer muss lediglich einen Architekten, Ingenieur oder Handwerksmeister mit zusätzlicher Qualifikation beauftragen. Handelt es sich um ein bestehendes Gebäude, kommt der Fachmann in der Regel ins Haus und nimmt die Gebäudedaten auf. Bei Neubauten werden die Daten aus Plänen und Baubeschreibungen ermittelt. Nach Fertigstellung wird der Energieausweis dem Eigentümer entweder direkt übergeben oder per Post zugeschickt. Über die Ausstellerdatenbank der dena können Hausbesitzer einen zugelassenen Aussteller in ihrer Region finden.


Was kostet der Energieausweis? In einem Feldversuch der dena hat sich herausgestellt, dass sich die Kosten auf ca. 150 – 300 € pro Ausweis belaufen. Erfahrungsgemäß muss man jedoch mit mindestens 50 % Mehrkosten rechnen. Dies hängt u. a. davon ab, ob der Energieausweis anhand der Verbrauchskennwerte oder auf Grundlage einer Bedarfsberechnung erstellt wird und ob die Gebäudedaten nach dem vereinfachten oder detaillierten Verfahren ermittelt werden. Bei großen Wohngebäuden mit mehr als 15 Wohnungen wird der Energieausweis kaum unter 500 € zu bekommen sein. Hinzu kommen ggf. noch Kosten für eine Energieberatung. Die Gültigkeit des Energieausweises beträgt 10 Jahre. Danach muss er erneuert werden.



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